150 Jahre Eisenbahn - Teil 2

29.10.2018 um 15:34 Uhr

Die Zeit von 1945 bis 1990 war auf dem Roßweiner Bahnhof vor allem durch die vielen Güterzüge geprägt. Sowohl die im Ort ansässigen Unternehmen (Schmiedewerk, Armaturenwerk), als auch der in der Nähe gelegene Steinbruch in Berbersdorf waren Großkunden der Deutschen Reichsbahn und nicht selten waren alle Gleise des Bahnhof's gefüllt. Nicht unerwähnt soll auch der Personenverkehr bleiben, der speziell auf den Schichtdienst in den großen Roßweiner Unternehmen zugeschnitten war und mit der in Roßwein abzweigenden Strecke nach Hainichen, Frankenberg und dem heutigen Chemnitz zusätzliche Verkehre generierte.

Nicht unerwähnt soll auch der Personenverkehr bleiben, der speziell auf den Schichtdienst in den großen Roßweiner Unternehmen zugeschnitten war und mit der in Roßwein abzweigenden Strecke nach Hainichen, Frankenberg und dem heutigen Chemnitz zusätzliche Verkehre generierte.

Nach 1990 setze ein rapider Verfall des "System Eisenbahn" ein.
Güterkunden brachen weg, weil die Unternehmen abgewickelt und geschlossen wurden. Der Personenverkehr wurde ausgedünnt, da die Menschen auf den PKW umstiegen und niemand mehr mit dem Zug fahren wollte. Als sich der Freistaat Sachsen in den 1990er Jahren entschied, die Verantwortung für den Öffentlichen Personennahverkehr auf fünf Verkehrsverbünde aufzuteilen, ahnten nur wenige Insider, welch dramatischen Folgen dies für die Eisenbahn in Roßwein haben würde.

Roßwein, gelegen an den Nahtstellen verschiedener Regierungsbezirke und Verkehrsverbünde, wurde so quasi zum Spielball zwischen diesen Welten. Der Altkreis Döbeln gehörte bis zur Kreisreform zum Mitteldeutschen Verkehrsverbund in Leipzig, Nossen aber bereits zum Verkehrsverbund Oberelbe in Dresden. Zwischen Roßwein und Nossen führte die Bahnstrecke sogar noch durch das Gebiet des Verkehrsverbundes Mittelsachsen, so dass man auf dem kurzen Stück von Döbeln über Roßwein bis Nossen unglaubliche drei der fünf sächsischen Verkehrsverbünde tangierte. Jeder Verkehrsverbund hatte seine eigene Tarifstruktur und Prioritäten und so war es nur eine Frage der Zeit, bis man "unsere Strecke" zur Abwicklung vorsah.

Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob man die Einstellung des Zugverkehrs zwischen Döbeln und Meißen im Dezember 2015 hätte durch ein verbessertes Angebot abwenden können. Fakt ist, dass die zuständigen Verkehrsverbünde nichts für die Steigerung der Attraktivität des Bahnverkehrs getan haben und ein ausgedünnter 2h-Takt keinen Anreiz bot, mit dem Zug zu fahren. So war es nicht verwunderlich, dass Jahr-für-Jahr immer weniger Fahrkarten verkauft wurden und die Einstellung des Verkehrs folgte.

Ob durch Roßwein jemals wieder regelmäßig Personenzüge in Richtung Dresden und Leipzig fahren, lässt sich im Herbst 2018 nicht sagen. Es gibt ernsthafte Bemühungen Seitens der Lokalpolitik und engagierter Bürger, die sich intensiv um die Reaktivierung der Eisenbahnlinie kümmern. Gerade in Richtung Dresden ist der Individualverkehr mit dem PKW oder die Nutzung von alternativen Busangeboten oft nicht haltbar.
Stau auf den Autobahnen, verstopfte Landstraßen - oft reicht ein Schneeschauer oder eine Sekunde Unaufmerksamkeit eines LKW-Fahrers und die ganze Region steht quasi still; nichts geht mehr auf der A14, der A4 und deren Umleitungsstrecken. Hoffen wir, dass die Aktivitäten "pro Bahn" Erfolg haben und Roßwein vielleicht im Dezember 2019 eine Wiedereröffnung seiner Eisenbahnlinie feiern kann.

Bis dahin bleiben nur die Überlieferungen von einem Volksfest zu Ehren einer Eisenbahneröffnung - in Roßwein - heute, vor 150 Jahren!